Bildfehler: Korn, Rauschen, JPG-Artefakte
Korn
Die konventionelle Fotografie basiert auf lichtempfindlichen Silberverbindungen,
die als mikroskopisch kleine Partikel in der Filmschicht vorhanden sind. Nach
der Belichtung folgt ein chemischer Entwicklungsprozeß, in dem von den
belichteten Partikeln nur das Silber in der Schicht verbleibt und die unbelichteten
Partikel aus der Schicht entfernt werden. Dabei ballen sich die verbleibenden
Silberteilchen zu sogenenannten Körnern zusammen. Das können sehr
fein verteilte winzige Körner sein oder grob verteilte größere
Körner. In der Farbfotografie werden diese Körner durch Farbpigmente
ersetzt. Man kann die Kornstruktur mit einer guten Lupe erkennen. Die Dunkelkammertechnik
hat spezielle Beleuchtungsverfahren zum Vergrößern von Negativen
hervorgebracht. Darunter gibt es diffuse Leuchtquellen, mit deren Hilfe körnige
Negative so vergrößert werden können, daß ihre Bilddetails
erhalten bleiben aber gleichzeitig das Korn unterdrückt wird. Erfreulicher
Nebeneffekt: Auch dünne Kratzer und feiner Staub werden nicht abgebildet.
In vielen Scannern befinden sich Leuchtquellen, die das Korn, Kratzer und
andere Defekte stark betonen. Vielleicht hätten die Konstrukteure erstmal
in der Dunkelkammer arbeiten sollen, bevor sie sich an den Bau der Scanner
machten. Um die hardwarebedingten Mängel wettzumachen, gibt es in vielen
Scanprogrammen eine Option (GEM) zur Kornreduzierung. Sie wird nicht von jedermann
akzeptiert, weil mit ihr eine Weichzeichnung des Bildes und ein geringer Detailverlust
verbunden sind. Zudem ist eine Softwareanwendung mit Rechenzeiten verbunden,
wodurch sich der Scanvorgang verlängert. Die Funktion GEM ist mittlerweile überholt.
Links: Das Bild wurde 1970 in Japan auf Diafilm im Kleinbildformat aufgenommen.
Das Dia wurde mit einem Epson Perfection 3200 Flachbettscanner (unten links)
mit 3200 dpi und einem Nikon Coolscan 5000 Filmscanner (unten rechts) mit 4000
dpi gescannt. Die stark vergrößerten Ausschnitte zeigen Unterschiede
in der Bildwiedergabe. Der Nikon betont das Korn. Flächen, die aus ähnlichen
Farbtönen bestehen, sind farbig gesprenkelt. Auf dem weißen Hemdkragen
und der Haut bemerkt man deplaziert wirkende Farben wie Blau und Grün.
Der Epson hat eine geringere Auflösung aber dank seiner weichen diffusen
Beleuchtung eine angenehme Umsetzung der Tonwerte neben einer effizienten Kornunterdrückung.
Bemerkenswert ist das gräuliche Gerüst in den rechten oberen Ecken
der Ausschnitte. Der Epson-Scan zeigt es farbreiner. Bei einer Vorlage mit
mäßiger Schärfe und einem Mangel an extrem feinen Details bietet
das höhere Auflösungsvermögen des Nikon keine Vorteile.
Rauschen
Digitalkameras arbeiten mit Aufnahmechips mit Millionen von Rezeptoren. Sie
registrieren das einfallende Licht. Verschiedene Faktoren bewirken, daß die
Rezeptoren auf Wärme reagieren, sich gegenseitig beeinflussen, reflektiertes
Licht wahrnehmen etc. und stets ein diffuses Signalmuster, das sogenannte Rauschen,
aufnehmen.
Wenn im Moment der Aufnahme viel Licht auf den Chip fällt, hat dies einen
viel stärkeren Einfluß als die geringen Signale des Rauschens, welche
vollständig überlagert werden. Eine hohe Empfindlichkeitseinstellung
aktiviert eine Signalverstärkung. Dadurch ist es möglich, mit wesentlich
weniger Licht auszukommen. Gleichzeitig werden die Signale des Rauschens verstärkt.
Die Abstände zwischen den Rausch- und den Aufnahmesignalen verringern
sich. Bei höchsten Empfindlichkeitsstufen werden die Fehlsignale stark
sichtbar. Analog zum Dolby in der Audiotechnik entwickelt(e) die Industrie
digitale Rauschunterdrückungsverfahren.
JPG-Artefakte
JPG-Dateien sind komprimierte Bilddateien. Das Reduzieren der Dateigröße
kann in einem weiten Rahmen stufenlos eingestellt werden. Eine Reduzierung
der Größe auf weniger als Einhundertstel der Ursprungsdatei im Tif-Format
ist möglich.
Die JPG-Komprimierung teilt das Bild in Pixelblöcke aus acht mal acht
Pixeln auf. Bei einer sehr starken Komprimierung werden diese Pixelblöcke
sichtbar. Sie sind quadratisch und können kontrastreiche Kanten zu den
Nachbarblöcken aufweisen. Wenn sie ein Bild mosaikmäßig kacheln,
spricht man von JPG-Artefakten.
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